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Hecken aushecken

 

Naturschutz, Bereicherung der Gartennutzung, Sichtschutz

 

In unserer Hecke ist wieder mal die Hölle los. Mindestens zwei Spatzenfamilien ziehen dort ihren Nachwuchs groß – ein lautstarkes Geschehen, das einige Katzen aus der Nachbarschaft mit großem Interesse verfolgen. Ohne allerdings eingreifen zu können, denn die Äste vom Roten Hartriegel, Schwarzen Holunder, dem Haselnussstrauch, der Heckenkirsche oder dem Gemeinen Schneeball sind einerseits ziemlich dünn, andererseits ist ihr Gestrüpp zu dicht, als dass die Garten-Pumas darin herumturnen könnten.

Womit wir schon bei der wichtigsten Aussage dieses Artikels sind: Hecken, egal ob auf dem Feld oder im Garten, sind Lebens- und Schutzräume für eine Vielzahl von Lebewesen. Neben zahlreichen Vogelarten fühlen sich auch Amphibien, Reptilien, Insekten oder Igel in ihrem Schutz ausgesprochen wohl.

Kleines Reservat

 

Die Grundregel für den Heckenschnitt lautet: Unten breit, oben schmal – also eine sich nach oben verjüngende Form. So bekommen alle Pflanzenteile Licht, einschließlich eines Heckensaums.

Doch bevor es ans Schneiden geht, muss erst einmal gepflanzt werden. Die erste Regel hierbei lautet: Geduld! Jeder Strauch oder Baum braucht Raum und Zeit, sich zu entwickeln. Die Daumenregel für den Pflanzabstand lautet: Mindestens 1,50 Meter, besser sind zwei Meter. Je größer der Strauch werden soll, umso größer muss der Abstand zum nächsten Gewächs sein.

Eine Thuja-Hecke im Kastenschnitt schließt zwar schnell und ganzjährig die feindliche Umwelt aus dem eigenen Garten aus, ist aber ökologisch gesehen ziemlich langweilig. Manche Kommunen verbieten sie in ihren Bebauungsplänen für Neubauten sogar ausdrücklich. Welche Pflanzen an einem Standort geeignet sind, hängt maßgeblich von der Bodenbeschaffenheit, dem Sonnenlichteinfall und der Wasserversorgung ab. Empfehlenswert ist in jedem Fall, einen erfahrenen Gärtner aus der Umgebung zu Rate zu ziehen.

Die Auswahl ist riesengroß: Es gibt je nach Gartenstil und für jeden Zweck eine enorme Bandbreite an geeigneten Heckenpflanzen.
Foto: BdB

Daher an dieser Stelle gleich eine weitere wichtige Botschaft: Legen Sie die Astschere für die nächsten Wochen weg, denn in der Brutzeit (bis ungefähr Ende Juni) dürfen Vögel keinesfalls gestört werden. Darüber hinaus sind laut Bundesnaturschutzgesetz (§ 31, Absatz 5) radikale Eingriffe in Hecken wie Roden zwischen Anfang März und Ende September gesetzlich verboten, aber auch der sogenannte „Stockhieb“, bei dem ein Strauch bis auf den Stock zurückgeschnitten wird. Kosmetische Eingriffe wie ein sanfter „Kopfschnitt“ – bei dem die Sträucher auf eine einheitliche Höhe gebracht werden – sind nach der Brutzeit indes wieder erlaubt.

 

Und manchmal aus Verkehrssicherheits-Gründen sogar nötig: Wenn die Äste in Straßen, Radwege oder Bürgersteige ragen. Oder in den Garten der Nachbarn hineinhängen – was immer mal wieder zu Streitigkeiten führen kann.Im Artikel 50 des Gesetzes zur Ausführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (AGBGB) ist allerdings klar geregelt: „Der Eigentümer eines Grundstücks kann verlangen, dass auf einem Nachbargrundstück nicht Bäume, Sträucher oder Hecken (…) in einer geringeren Entfernung als 0,50 Meter oder, falls sie über zwei Meter hoch sind, in einer geringeren Entfernung als zwei Meter von der Grenze seines Grundstücks gehalten werden.“

 

Wie zu jeder juristischen Regelung gibt es jedoch auch hierfür diverse Ausnahmen. Das Einfachste ist daher immer noch, im Zweifelsfall mit den Nachbarn zu reden und eine einvernehmliche Regelung zu suchen.

 

Die eigentliche Schnittzeit für Heckenpflanzen ist der Spätherbst (Ende Oktober, Anfang November) oder der Spätwinter (Ende Februar, Anfang März). Dass der Winter heuer Kapriolen geschlagen und Ende April noch einmal zugeschlagen hat, tut dabei nichts zur Sache.

Die eingangs genannten Sträucher entstammen übrigens alle der einheimischen Flora und sind ziemlich robust. Daneben bieten auch Ebereschen am Rande einer Hecke einen schönen optischen Anziehungspunkt, der auch von der Tierwelt sehr geliebt wird – daher wird die Eberesche auch Vogelbeerbaum genannt. Hainbuchen sind die klassische deutsche Heckenpflanze, insbesondere bei „sortenreinen“ Hecken. Seit einiger Zeit werden auch unterschiedliche Weidenarten gerne gepflanzt, Salweiden zum Beispiel oder Korkenzieher-Weiden. Was für manche benachbarte Pflanze zum Problem werden kann, wie der Gärtner Christian Gesell, einer der Inhaber der Blumen- und Gartenwerkstatt Natural Art in Ebersbach bei München, erklärt: „Weiden ziehen sehr viel Wasser.

 

Darunter kann ein benachbarter Obstbaum in einem heißen Sommer leiden.“ Aber auch Flieder, Brombeeren und Himbeeren. Letztere eignen sich auch als Heckensaum, ebenso wie Lungenkraut oder Labkraut – am einfachsten ist es, sich beim Gärtner passende Samenmischungen zu besorgen. Die unterschiedlichen Blüten werden Ihnen den Besuch von zahlreichen Schmetterlingen garantieren, die regionalen Imker freuen sich gleichfalls, ebenso wie Fledermäuse, die den Insektenreichtum zu schätzen wissen.

 

Wer eine Hecke pflanzt, geht eine Gemeinschaft mit vielen Lebewesen ein, schafft sozusagen ein kleines Reservat. Übrigens auch für Katzen. Die lieben es, unter den Sträuchern entlang zu wandeln und die Tier- und Menschenwelt ringsum genauestens zu beobachten. Horst Kramer