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Der König-Ludwig-Weg

führt von Starnberg nach Füssen –   oder umgekehrt

 

Der älteste deutsche Fernwanderweg ist einer inzwischen in mystische Regionen entrückten Gestalt gewidmet: Ludwig II. (1845 – 1886).


Er führt über 120 Kilometer von Starnberg nach Füssen und damit mitten durch die Region, für die das Herz des Märchenkönigs besonders heftig schlug.

 

Dessen Wohlgefallen hätte gewiss gefunden, wie sieben Frauen im Sommer die gesamte Strecke durch das bayerische Voralpenland auf seinen Spuren erwandert haben. Das bekannte Kreuz, das die Todesstelle des Königs im Starnberger See markiert, erschien den Frauen ein wenig passender Auftakt für ihre Ludwig-Memory-Tour. Daher entschloss sich die Gruppe für die Wanderalternative Füssen – Starnberg. Dabei folgten die Frauen der Markierung „Blaues K auf weißem Grund“. Die Tagesetappen sind zwischen acht und 18 Kilometer lang, also gut zu bewältigen.

 

Gute Ausrüstung, einschließlich Stöcken und Regenkleidung ist für die erfahrenen Wanderfrauen selbstverständlich. Das allwettertaugliche Outfit fand Platz in Dreißig-Liter-Rucksäcken. Dennoch hätten sie ab und zu nichts gegen eine Begegnung mit einer realen Kutsche – zur Not auch ohne Kini-Double – gehabt. Das galt speziell für Teilstrecken auf Radwegen und Pflasterstraßen, was die Wanderlust einigermaßen dämpfte. Doch herrliche Aus- und Einblicke auf und in Bayerns Bilderbuch-Landschaft, Sonne satt und selbst eine gelegentliche Dusche „von oben“ entschädigten für die Mühsal der Pflastersteine.

 

Startpunkt der Wanderung war der Bahnhof Füssen. Die Bayerinnen verzichteten weise auf den eigentlich obligatorischen Besuch von Neuschwanstein und Hohenschwangau. Sie gingen stattdessen auf den nahe gelegenen Kalvarienberg und genossen den Blick auf Berge, Stadt und Schlösser, das erste Highlight ihrer Wanderung, wie sie sagen. Weiter ging es Richtung Hohenschwangau. Da die Pöllatschlucht derzeit geschlossen war, galt es einen Umweg zu wählen. Der Forggensee wurde für eine Abkühlung genutzt. So erfrischt, war der Rest der Tagesetappe gut zu bewältigen, zumal der Weg durch Moorwiesen zum Etappenziel Berghof führte. Ein wenig an vergangene Jugendherbergszeiten fühlten sich die Frauen im Gästehaus Alpenland erinnert: Von 22 Uhr an war dort Nachtruhe angesagt

Entdeckerpfade

Business und Brauchtum
im Fünf-Seen-Land

 

Auf den
Spuren des Märchen-königs

Der zweite Tag führte zum Kühmoossee über den Halblech und ein Stück den Lech entlang nach Prem. Natur pur gab es im Premer Filz, einer Moorlandschaft. Filmreife Aussichten ebenfalls. Kultureller Höhepunkt des Tages war das Kloster Steingaden. Das Welfenmünster gilt als „aufgeschlagenes Buch der Kunstgeschichte“, mehr noch als die berühmte Wieskirche. Vor dem Münster steht die Grabkapelle von Alfred Eckbrecht Graf von Dürckheim-Montmartin. Nie gehört? Er war Flügeladjutant der Majestät – heute würde man sagen: Chefassistent – und Ludwigs treuer Gefolgsmann. Er war nicht nur die gehobene Schreibkraft des Königs, sondern versuchte in dessen Auftrag, Unmögliches möglich zu machen. So reiste er beispielsweise 1885 als Emissär zum preußischen Kanzler Otto von Bismarck in der Hoffnung, dieser könne einen Ausweg aus der prekären Finanzlage seines bauwütigen Herrschers finden. Vergeblich. Dennoch vertraute Ludwig II. seinem Flügeladjutanten mehr als seinen Ministern. Und Dürckheim riskierte alles für seinen König:

Er stand ihm fast bis zu dessen Verhaftung zur Seite – und kehrte erst nach München zurück, als ihm die Minister mit einer Anklage wegen Landesverrats drohten. Fazit der Wandermädels: „Das haben wir gar nicht gewusst. Das ist ja richtig spannend.“

 

Doch es galt noch viel mehr zu entdecken. Ziel des dritten Tages war Rottenbuch. Es ging durch den dunklen Eulenwald und über den Brettleweg zunächst zur Wieskirche, einem Muss für Liebhaber des verspielten Rokoko. Mit der Wies, der Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland auf der Wies, haben die Brüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann Mitte des 18. Jahrhunderts „ein schwingendes Oval, ein von Himmel gefallenes Kleinod“, geschaffen, wie diverse Kunstführer jubeln. Naturfans genießen dagegen mehr diesen Herz und Geist erfrischenden und ob seines Zaubers schon fast leichtfüßig zu bewältigenden Abschnitt durch Wald und Wiesen in sanfter Hügellandschaft. Nahe dem Torbogen in Rottenbuch begrüßte der Kini höchstselbst in Gestalt einer Büste die Wanderinnen. Mitten im Pfaffenwinkel war selbstredend ein Besuch der Stiftskirche angesagt. Die ehemalige Klosterkirche ist mit ihren musizierenden Engeln so etwas wie in Stein gemeißelter respektive in Gips gegossener Ausdruck fröhlicher Frömmigkeit.

Der vierte Tag brachte die wohl größte Herausforderung des König-Ludwig-Wegs: den Grand Canyon Oberbayerns, besser bekannt als Ammerschlucht. Vorbei an urzeitlichen Sinterterrassen ging es in ständigem Auf und Ab mit einigem Keuchen und Stöhnen zum Kalkofensteig mit seiner romantischen Holzbrücke. Wie die Schlucht entstanden ist, wissen Geologen: Die Ammer musste hier einen Molasseriegel durchschneiden. So bildete sich dieses Naturphänomen im Verlauf von unvorstellbaren zwei Millionen Jahren. Wo es runter geht, geht es auch wieder bergauf – und zwar auf den Hohen Peißenberg. Über den muss man eigentlich nicht viel schreiben, denn er ist einer der Münchner Hausberge – nicht zuletzt wegen seiner grandiosen Rundsicht. Tag fünf hatte mit dem steilen Aufstieg durch den Hangwald nach Schlitten einen beschwerlichen Anfang. Pfadfinderinnen-Fähigkeiten, beziehungsweise GPS und der suchende Blick nach dem „K“ waren bei den verschlungenen Wegen und Pfaden nach Paterzell gefordert. Hier wächst Deutschlands einziger Eibenwald mit mehr als 2000 alten Bäumen. Zur Belohnung für die Strapazen des Tages erwartete die Wandermädels im Gasthof zur Post in Wessobrunn „das beste Essen und die beste Übernachtungsmöglichkeit der ganzen Tour“, wie sie sagen.

 

Doch das Dorf hat noch viel mehr zu bieten. Das zeigte sich am sechsten Tag der Wanderung von Wesso-brunn nach Raisting. Seit 2014 ist die Klosteranlage im Besitz einer Naturkosmetikfirma. Sie betreibt nicht nur einen Klosterladen, sondern bewahrt auch das reiche Erbe klösterlichen Lebens. Denn in Wessobrunn spiegeln sich mehr als 1500 Jahre bayerische Geschichte. Es gibt regelmäßige Führungen durch den Fürstentrakt, den Benediktussaal, die ehemaligen Schwesternzellen nebst Kapelle, das Apothekenmuseum und durch die Produktionsräume des Unternehmens. Die mächtige Tassilolinde östlich der Klostermauer erinnert an die Gründungslegende des Klosters. Derzufolge hatte Herzog Tassilo III. bei einem Jagdausflug im Jahr 753 unter diesem Baum einen mystischen Traum und gründete daraufhin das Kloster. Im Ort selbst ist ein weiteres Monument zu bestaunen: das in Stein gemeißelte Wessobrunner Gebet. 

Es entstand vermutlich im ausgehenden achten Jahrhundert und ist das älteste erhaltene Sprachkunstwerk in Althochdeutsch. Die unschätzbar wertvolle Originalhandschrift wird heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt. So viel Kultur mussten die Wanderinnen erst einmal verarbeiten. Was auf dem Weg nach Raisting problemlos möglich war.

 

Der siebte und letzte Tag auf dem König-Ludwig-Weg führte von Raisting nach Herrsching. Die Frauen ließen es gemächlich angehen und wählten von Dießen aus das Schiff nach Herrsching. Eigentlich sollte hier die Wanderung ihr Ende finden. Doch das Kreuz im Starnberger See wartete noch. Daher entschlossen sich die Wandermädels, mit dem Auto die letzte Etappe zu bewältigen und Ludwig II. ihre Reverenz zu erweisen.

 

So endete eine – wie alle Teilnehmerinnen sagten – schöne, fröhliche und genussvolle Wanderung auf einem Weg, der die Natur- und Kulturschönheiten der Heimat wohl so genussvoll erschließt wie kein anderer Wanderweg.

Dorothea Friedrich

Foto: Seipp

Der König-Ludwig-Weg

 

Variante: von Füssen nach Herrsching

 

Der König-Ludwig-Weg ist der älteste bayerische Fernwanderweg. Er wurde 1977 zur Erinnerung an König Ludwig II. eingerichtet. Der Weg verbindet auf rund 120 Kilometern in verschiedenen Varianten die symbolträchtigen Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein mit Berg am Starnberger See. In Hohenschwangau verbrachte Ludwig II. Kindheit und Jugend. Neuschwanstein ist bekanntlich weltweit ein Synonym für „Märchenschloss“. In Berg erinnert ein Kreuz im Starnberger See an den tragischen Tod des Königs. Der Weg ist mit einem blauen K auf weißem Grund ausgeschildert. Einige Abschnitte verlaufen auf Straßen und Radwegen. Da es unterwegs teilweise kaum Einkehrmöglichkeiten gibt, sollte man ausreichend Wasservorräte mitnehmen.

 

1. Tag:  Füssen bis Berghof;18,5 Kilometer

 

2. Tag:  Berghof bis Steingaden; 16,9 Kilometer

 

3. Tag:  Steingaden bis Rottenbuch; 8,7 Kilometer

 

4. Tag:  Rottenbuch durch die Ammerschlucht bis Hohenpeißenberg; 13 Kilometer

 

5. Tag:  Hohenpeißenberg bis Wessobrunn; 16,4 Kilometer

 

6. Tag:  Wessobrunn bis Raisting; 10 Kilometer

 

7. Tag:  Raisting bis Herrsching; 14,6 Kilometer

dfr